In meinen Seminaren geht es oft darum, vom freien, unzensierten Schreibfluss zu einer eingrenzenden Form des Schreibens zu finden. Erst öffnen wir im übertragenen Sinne die Schleusen und lassen alles raus. Danach verdichten wir die Fülle, picken das Wesentliche heraus und geben ihm eine Form. So haben wir beides: den freien Fluss, der uns unter Umständen emotional sehr fordert, und die stützende Form, die eine Konzentration und Bearbeitung ermöglicht.

Eine solche Form ist zum Beispiel das Rondell. Ein 8-zeiliges Gedicht, in dem sich einige Zeilen wiederholen. Zeile 1, Zeile 4 und Zeile 7 sind identisch, wiederholen sich also wortwörtlich. Zeile 2 bezieht sich auf Zeile 1 und wird in Zeile 8 wiederholt. Uffz! Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Das merkt man am ehesten beim Ausprobieren. Dabei stellt man auch schnell fest, dass das Rondell – wie der Name schon sagt – eine Kreisform hat und damit das Thema in sich abschließt.

Ich gebe hier ein Beispiel, das ich zu Beginn eines Urlaubs geschrieben habe. Ich war echt erholungsbedürftig und habe diese Auszeit sehr genossen.

Titel   Aus-Zeit

1  Fall aus der Zeit
2  in den Moment.
3  Lächle den Augenblick.
4  Fall aus der Zeit
5  offenen Herzens.
6  Dir zuliebe.
7  Fall aus der Zeit
8  in den Moment.

Man kann selbstverständlich auch pro Zeile ganze Sätze schreiben und mit Reimen arbeiten, wenn man das möchte. Es muss aber nicht sein. Viel Spaß beim Ausprobieren.